Autor: Lars Böhler
Lesezeit 5 Minuten

Mit gleichwohl idyllischer als auch trügerischer Ruhe beginnt für uns Biker das neue Jahr. Die
Gemeinde sehnt den Frühling und den damit einhergehenden Saisonstart herbei. Storys, Beiträge
und Liebesbekundungen in den sozialen Netzwerken sprechen eine eindeutige Sprache….wir sind
heiß.

Heiß ist auch die Fraktion derer, die das Motorrad und seine Jünger zur Zielscheibe ihrer
Dauerfeuerübungen in Sachen Lärmschutz gemacht hat. Medial wurde im letzten Jahr bereits
umfänglich aufgerüstet und verbal wurden auch die untersten Schubladen der
Kommunikationskommode geöffnet. Geforderte Verbote werden zwar als letztes Mittel deklariert,
jedoch bleibt nebulös, wann das letzte Mittel anzuwenden ist. Während wir uns und unseren
zweirädrigen Herzensangelegenheiten eine Winterpause gönnen, richten unsere Gegner ihre
Artillerie neu aus. Anträge machtambitionierter Parteifunktionäre sollen die (Noch)Regierung zum
Handeln treiben.

Erinnern wir uns an den 10.03.2020. Der neue CDU‐Vorsitzende Armin Laschet verfasst und
unterzeichnet einen Antrag des von ihm regierten Bundeslandes Nordrhein‐Westfalen „für eine
Entschließung des Bundesrates zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm“. Der
Beginn einer beispiellosen Kampagne gegen Motorradfahrer, welche zuweilen Züge einer medialen
Hetzjagd angenommen hat. Die berechtigten Proteste der Motorradgemeinde gegen Ausgrenzung,
Diskriminierung und Kollektivstrafen fanden in der öffentlichen Berichterstattung wenig Beachtung.
Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den deutschlandweiten Motorraddemonstrationen blieb
aus. Der Tenor: Mit Lärm für das Recht auf Lärm demonstrieren. Sachlicher Diskurs, differenzierte
Problembehandlung…Fehlanzeige.

Zumindest eröffneten sich nach den Protesten vereinzelte Gesprächsmöglichkeiten mit Politikern
und Funktionären, jedoch nur mit denen, die sich ohnehin mehr oder weniger öffentlichkeitswirksam
gegen die Initiative des Bundesrates gestellt haben oder keinen diesbezüglichen Handlungsbedarf
sehen. Die politischen Befürworter und Unterstützer der Bundesratsinitiative ließen unsere
Gesprächsanfragen und Dialogangebote durchgängig abtropfen. Mit dem im eigenen Papier
propagierten fairen Interessenausgleich nimmt man es nicht so genau. Ist ja auch irgendwie
irritierend, wenn plötzlich die als Störenfriede öffentlich gebrandmarkten Zweiradenthusiasten mit
den besseren Vorschlägen und pragmatischen Ansätzen um die Ecke kommen und bereit sind für ein
echtes Miteinander. Zudem überfordert die positionsfixierten Brandstifter die Tatsache, dass wir
unsere Widersacher zur Rede und nicht an den Pranger stellen wollen.

Die Tatsache, dass die Bundesregierung, insbesondere das Verkehrsministerium, die Entschließung
des Bundesrates vom 15.Mai 2020 bisher nicht umgesetzt hat, ist keinesfalls mit dem Abflauen des
Gegenwindes gleichzusetzen. Die Schreie nach dem „Tiroler Modell“ werden lauter. Zur Erinnerung,
auf einigen Streckenabschnitten Tirols ist Motorrädern mit einem eingetragenen Standgeräusch von
mehr als 95 dBA die Durchfahrt untersagt. Und dies wohlgemerkt mit offizieller Zulassung und ohne
illegale Umbauten am Fahrzeug. Der jährlich zu entrichtende Beitrag zur KFZ‐Steuer bleibt dabei
selbstredend unverändert.

Für Autos und andere Fahrzeuge mit einem Standgeräusch über 95 dBA gilt dieses Verbot nicht,
womit jedem klar sein dürfte, wie sehr es den Initiatoren tatsächlich um Lärmschutz geht. Eine
gerichtliche Beurteilung dieser willkürlichen Praxis steht noch aus, wobei eine erste EuGH-Beschwerde
zur Sache bereits abgewiesen wurde. Bis zur Verkündung einer Entscheidung fährt somit
der Besitzer einer beispielsweise fabrikneuen S1000R unfreiwillig woanders lang.

Bei der „Initiative Motorradlärm“ spricht man bei diesem Vorgehen von Selbstverteidigung und
möchte selbige lieber heute als morgen auch in Deutschland ausüben. Allein der gewählte Duktus ist
Antwort auf die Frage, wessen Geistes Kind die Initiatoren sind. Die Verbotsfantasien hierbei
bestimmten politischen Farben zuzuordnen, wäre zu kurz gesprungen. Ein genauerer Blick hinter die
Kulissen und in die Impressen der feder‐ und wortführenden Organisationen und in die
landespolitischen Amtsstuben verrät, dass die Stimmungsmache gegen Motorräder keine Frage der
Parteizugehörigkeit ist. Andersrum sieht es allerdings genauso aus und darin liegt die große Chance
für uns. Wem auch immer Ihr Euer politisches Vertrauen schenkt, macht Eure lokalen Politiker auf
das heraufziehende Unrecht aufmerksam. Zwingt sie, sich dem Thema inhaltlich zu stellen. Macht
Ihnen klar, dass Motorräder gestern, heute und morgen zum Verkehrsmix gehörten und gehören.
Öffnet ihren Geist dafür, dass Motorräder weitaus mehr sind als Freizeitsportgeräte. Führt Ihnen vor
Augen, dass Motorradfahren gelebte Vielfalt ist. Ermutigt sie, sich im Entscheidungsprozess gegen
Ausgrenzung und Diskriminierung zu stellen. Tragt unser Thema in die Rathäuser und holt soviel wie
möglich von der politischen Basis auf unsere Seite!

Stellen wir uns auf ein turbulentes Jahr ein und bündeln unsere Kräfte. Geben wir persönlichen
Animositäten und Rangeleien um Kleinigkeiten eine Pause. Fokussieren wir uns auf das, worum es
geht – uns. Kämpfen wir gemeinsam für den Erhalt unserer Motorradträume und verhindern Seite an
Seite das Schlimmste für uns alle – ein böses Erwachen!

 

 

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